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03. Juli 2026

Welche Versicherungen Sie als Privatperson wirklich brauchen

Welche Versicherungen braucht man wirklich? Privathaftpflicht, BU und Krankenversicherung sind Pflicht – alle weiteren abhängig von der Lebenslage.

Person am Schreibtisch prüft Unterlagen – Symbolbild für Privatversicherungen im Überblick

Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig – die gesetzliche Absicherung deckt dabei im Durchschnitt weniger als 30 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Gleichzeitig können Haftpflichtschäden schnell siebenstellige Beträge erreichen, wenn Sie jemanden ernsthaft verletzen. Wer die falschen Versicherungen hat oder entscheidende vergessen hat, riskiert im Ernstfall seinen Lebensstandard oder den seiner Familie.

Das Wichtigste auf einen Blick

Diese drei Versicherungen sind für nahezu jede Privatperson unverzichtbar – unabhängig von Alter, Beruf oder Lebenssituation:

  • Private Haftpflichtversicherung – schützt vor Schadenersatzforderungen Dritter, oft bis in den Millionenbereich
  • Berufsunfähigkeitsversicherung – sichert Ihr Einkommen, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können
  • Krankenversicherung – in Deutschland gesetzlich Pflicht; die Wahl zwischen GKV und PKV hat langfristige Konsequenzen

Private Haftpflichtversicherung – unverzichtbar für jeden

Nach § 823 BGB haften Sie für Schäden, die Sie anderen schuldhaft zufügen – und das mit Ihrem gesamten gegenwärtigen und zukünftigen Vermögen. Ein Moment der Unaufmerksamkeit reicht: Wer beim Radfahren jemanden anrempelt und dieser Person dauerhaften Schaden zufügt, kann mit Schmerzensgeldforderungen und Rentenansprüchen in siebenstelliger Höhe konfrontiert werden.

Die private Haftpflichtversicherung übernimmt berechtigte Forderungen und wehrt unberechtigte ab – sie ist damit gleichzeitig Zahlungs- und Rechtsschutzpuffer. Empfohlen wird eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Die Jahresprämie liegt für Singles meist zwischen 40 und 80 Euro – gemessen am versicherten Risiko eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse im Versicherungsmarkt.

Wichtig beim Tarifvergleich: Achten Sie auf Mitversicherung von Schlüsselverlusten, Gefälligkeitsschäden und – für Familien mit Kindern – auf deliktunfähige Kinder. Nicht jeder Günstigtarif deckt diese Positionen ab.

Berufsunfähigkeitsversicherung – Einkommensschutz bei Krankheit und Unfall

Statistisch gesehen wird jeder vierte Beschäftigte vor dem Renteneintritt berufsunfähig – Hauptursachen sind psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebserkrankungen. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nach SGB VI greift erst bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit von unter drei Stunden täglich und fällt für die meisten Berufsgruppen deutlich zu niedrig aus, um den Lebensstandard zu halten.

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) leistet, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können – die genaue Definition regelt § 172 VVG. Achten Sie beim Abschluss auf eine Klausel ohne abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf Sie dann nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie theoretisch noch ausüben könnten.

Je früher Sie abschließen, desto günstiger die Prämie und desto geringer das Risiko, wegen Vorerkrankungen abgelehnt zu werden. Für Berufseinsteiger und Studierende sind häufig Startertarife mit vereinfachter Gesundheitsprüfung möglich.

Krankenversicherung – gesetzliche Pflicht mit echten Wahlmöglichkeiten

In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht für alle Einwohner. Arbeitnehmer sind ab einem Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2025: 73.800 Euro) automatisch gesetzlich versichert (GKV). Wer darüber liegt, kann in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln – das lohnt sich vor allem für gesunde Gutverdiener und Beamte, bringt im Alter aber höhere Beiträge mit sich.

Selbstständige und Freiberufler müssen sich selbst um Krankenversicherungsschutz kümmern und tragen den vollen Beitrag. Für diese Gruppe ist zusätzlich ein Krankentagegeld relevant: Es sichert das Einkommen ab dem ersten oder 43. Krankheitstag, je nach Tarif. Ohne diese Absicherung droht bei längerer Erkrankung eine empfindliche Einkommenslücke.

GKV-Versicherte können ihren Schutz durch Zusatzversicherungen gezielt ergänzen – etwa für Zahnersatz, stationäre Wahlleistungen oder Heilpraktikerkosten. Das ist deutlich günstiger als ein vollständiger PKV-Wechsel und bietet dennoch spürbare Vorteile im Leistungsfall.

Risikolebensversicherung – für alle mit finanzieller Verantwortung

Wer Angehörige hat, die finanziell von seinem Einkommen abhängen, oder einen laufenden Immobilienkredit bedient, sollte eine Risikolebensversicherung abschließen. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen – und kostet bei jungen, gesunden Versicherten oft nur wenige Euro im Monat.

Als Faustregel gilt: Die Versicherungssumme sollte mindestens das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens betragen. Bei laufenden Krediten empfiehlt sich eine annuitätisch fallende Versicherungssumme, die parallel zur Restschuld sinkt – so bleibt die Prämie günstiger. Singles ohne Angehörige und ohne Schulden brauchen diese Versicherung in der Regel nicht.

Hausratversicherung – sinnvoll ab eigenem Haushalt

Die Hausratversicherung deckt den Neuwert Ihres Mobiliars und Ihrer persönlichen Gegenstände bei Schäden durch Einbruchdiebstahl, Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Wer eine eigene Wohnung hat, sollte sie abschließen – denn Möbel, Elektronik und Kleidung summieren sich schnell auf einen fünfstelligen Betrag.

Achten Sie auf eine ausreichende Versicherungssumme: Als Richtwert gelten 650 bis 750 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Unterversicherung ist ein häufiger Fehler – im Schadenfall zahlt die Versicherung dann nur anteilig. Viele Tarife bieten optional Fahrraddiebstahl und Elementarschäden (z. B. Überschwemmung) als Zusatz an.

KFZ-Versicherung – Haftpflicht ist gesetzlich Pflicht

Wer ein Kraftfahrzeug auf deutschen Straßen bewegt, ist nach dem Pflichtversicherungsgesetz (PflVG) zur Kfz-Haftpflichtversicherung verpflichtet. Sie deckt Schäden, die Sie anderen im Straßenverkehr zufügen – an Personen, Fahrzeugen und Sachgütern. Eigene Schäden am Fahrzeug sind damit nicht abgesichert.

Ob Teil- oder Vollkasko sinnvoll ist, hängt vom Fahrzeugwert ab. Als Faustregel: Bei einem Fahrzeugwert über 10.000 Euro lohnt Vollkasko, darunter reicht oft Teilkasko. Ältere Fahrzeuge mit niedrigem Restwert versichern viele nur noch über die Pflicht-Haftpflicht. Der Schutzbrief – oft günstig als Zusatz buchbar – lohnt sich für alle, die regelmäßig längere Strecken fahren.

Was Sie nicht brauchen

Manche Versicherungen klingen sinnvoll, sind aber in der Praxis wenig nützlich – entweder weil der Schaden selten und klein ist, oder weil andere Policen denselben Schaden bereits abdecken:

  • Reisegepäckversicherung – deckt meist nur grobe Fahrlässigkeit, Hausrat greift teilweise bereits bei Diebstahl
  • Brillenversicherung – häufig teuer im Verhältnis zur Leistung, Ausschlüsse und Wartezeiten reduzieren den Nutzen
  • Insassenunfallversicherung – weitgehend überflüssig, da Insassen bei Fremdverschulden über Haftpflicht des Unfallverursachers abgesichert sind
  • Handyversicherung – hohe Prämien bei vielen Ausschlüssen; meist sinnvoller, Selbstbehaltsrücklage zu bilden
  • Sterbegeldversicherung – oft sehr teuer im Verhältnis zur ausgezahlten Summe, alternatives Ansparen häufig sinnvoller

Häufige Fragen: Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Welche Versicherung ist absolut unverzichtbar?
Die private Haftpflichtversicherung ist für nahezu jeden unverzichtbar – sie schützt vor Schadenersatzforderungen, die existenzbedrohend werden können. Daneben ist die Krankenversicherung in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Als dritte Kernversicherung gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung für alle, die auf ihr Einkommen angewiesen sind.
Wann sollte ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?
So früh wie möglich – idealerweise in der Ausbildung, im Studium oder beim Berufseinstieg. Je jünger und gesünder Sie beim Abschluss sind, desto niedriger die monatliche Prämie und desto geringer das Risiko, wegen Vorerkrankungen abgelehnt oder mit Risikoausschlüssen belastet zu werden. Wer bereits Vorerkrankungen hat, sollte verschiedene Anbieter vergleichen, da die Annahmerichtlinien stark variieren.
Brauche ich als Mieter eine Hausratversicherung?
Ja, als Mieter ist eine Hausratversicherung sinnvoll, sobald Sie einen eigenen Haushalt führen. Die Wohngebäudeversicherung, die der Vermieter für das Gebäude hat, deckt Ihr Mobiliar und Ihre persönlichen Gegenstände nicht ab. Schäden durch Einbruch, Brand oder Leitungswasser an Ihrem Eigentum tragen Sie ohne Hausratversicherung selbst.
Was kostet eine private Haftpflichtversicherung?
Für Singles liegen die Jahresbeiträge häufig zwischen 40 und 80 Euro, für Familien zwischen 60 und 120 Euro. Der genaue Beitrag hängt vom Anbieter, der gewählten Deckungssumme und optionalen Zusatzbausteinen ab. Günstige Tarife sind nicht zwingend schlechter – entscheidend sind die Deckungssumme (mindestens 10 Mio. Euro) und der Leistungsumfang im Kleingedruckten.
Wie oft sollte ich meine Versicherungen überprüfen?
Mindestens einmal jährlich – und nach jedem größeren Lebensereignis: Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf, Jobwechsel oder Gehaltserhöhung. Viele Versicherungsschutzlücken entstehen nicht beim Abschluss, sondern weil sich die Lebenssituation verändert hat und die Verträge nicht angepasst wurden. Ein Makler kann dabei helfen, den Überblick zu behalten.
Gilt die Haftpflichtversicherung auch im Ausland?
Die meisten deutschen Privathaftpflicht-Tarife bieten weltweiten Schutz für vorübergehende Auslandsaufenthalte, in der Regel bis zu einem Jahr. Für dauerhaften Auslandsaufenthalt oder spezifische Länder wie die USA sollten Sie die Bedingungen Ihres Tarifs genau prüfen und gegebenenfalls einen spezialisierten Makler hinzuziehen.

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